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Damit man die Geschichte und Motivation der Bier-Gemeinschaftswerbung einigermaßen nachvollziehen und verstehen kann, muss man einen ganz kleinen Blick  in die Geschichte wagen:

Die Brauwirtschaft und somit auch der Deutsche Brauer-Bund waren im Dritten Reich und im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Der Deutsche Brauer-Bund, der seinen Sitz ursprünglich in Berlin hatte, wurde 1934 aufgelöst und  in die "Wirtschaftsgruppe Brauerei und Mälzerei"  zwangsüberführt. Damit gingen auch alle Strukturen und Projekte der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Brauer-Bundes, die wohl nach Andeutungen des DBB-Geschäftsberichtes recht umfangreich  waren, verloren oder konnten zumindest nicht fortgesetzt werden.

Erst am 1. April 1949 wurde der Deutsche Brauer-Bund in Frankfurt am Main neu gegründet.

 

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Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg

Zu diesem Zeitpunkt befand sich die deutsche Brauwirtschaft in einer "Zeit der größten Not, welche das deutsche Braugewerbe in seiner Geschichte je erlebt hat." Im Gegensatz zu zu den meisten anderen Gewerben hatte die deutsche Brauwirtschaft den Tag der Währungsreform ohne nennenswerte Vorräte an Bier oder Rohstoffen erlebt. Außer "unverkäuflichen Dünnbieren' oder 'bierähnlichen Getränken" konnten die zum Teil schwer kriegsbeschädigten Betriebe ihren Kunden nichts oder fast nichts bieten.

Während andere Gewerbe ihre Waren in "friedensmäßiger" (also offensichtlich hochwertigerer, von Zeiten vor dem Krieg gewohnter) Qualität anbieten durften, war es den deutschen Brauereien ab 1. Januar 1949 nur erlaubt,  Biere mit einer Stammwürze von 7 - 8 Prozent zu produzieren. Dieses Bier genügte den Ansprüchen der Bevölkerung (und wohl auch der Brauer) nicht. Als Hauptaufgabe des Deutschen Brauer-Bundes wurde  aus diesem Grund die schnellstmögliche Wiederherstellung eines "friedensmäßigen Vollbieres" definiert.

Friedensstammwürze und Friedensbiere

Aber: Die Rohstoffversorgung in dieser Nachkriegszeit  war noch sehr unzureichend und die Gespräche auf politischer Ebene über eine sogenannte "Friedensstammwürze" - also die Produktion von Bieren mit "normalen" Stammwürzegehalten  zwischen 11 und 14 % - ließen sich sehr zäh an. Doch Entwicklungen in einzelnen Bundesländern schafften Fakten, die die Verhandlungen offensichtlich nicht erzielen konnten: In den Sommermonaten des Jahres 1949 kamen  in Süddeutschland sogenannte Friedensbiere auf den Markt, für die offensichtlich eine Strafsteuer von 32 - 37 DM / hl (statt der sonst üblichen 24 - 27 DM / hl) zu entrichten war. Nach Aussage des Geschäftsberichtes des DBB aus dem entsprechenden Jahr "vermochten die Brauereiorganisationen nicht, dieses Inverkehrbringen von Friedensbieren zu verhindern." Warum sie dies verhindern wollten, wird leider nicht deutlich...

Am 29. Juli 1949 ließ dann das Land Rheinland-Pfalz offiziell ein Bier mit einer Stammwürze von bis zu 12 Prozent und einer Steuerbelastung von 24 - 27 DM / hl zu: Dadurch war nach dem Geschäftsbericht des DBB "höchste Gefahr im Verzuge". Denn ein Bier mit diesem Stammwürzegehalt entsprach weder den Vorstellungen noch den Zielen des DBB. Erst ab dem 1. September 1949 wurde den Brauereien in ganz Deutschland dann endlich mit dem Segen der Militärregierung die Produktion eines Vollbieres mit einem Stammwürzegehalt von 11- 14 % gestattet.

 

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Wiederbelebung der Bier-Gemeinschaftswerbung

Damit war die Stunde der Wiederbelebung der Öffentlichkeitsarbeit des Deutschen Brauer-Bundes gekommen. Der Geschäftsbericht fasst diesen Umstand schön zusammen: "Solange die Bevölkerung des Bundesgebietes und das Braugewerbe sich mit unzulänglichen Schankbieren oder gar Dünnbieren abfinden musste, war der Gedanke an eine Gemeinschaftswerbung abwegig. Man kann für Unvollkommenes oder gar für 'Ersatz' nicht mit Überzeugung werben..."

Als nun aber nach der Zulassung der Friedensstammwürze die Brauereien wieder in der Lage waren, Biere zu produzieren, "die der hohen Tradition der deutschen Braukunst würdig waren", zeigten sich in der Bevölkerung unterschiedliche Reaktionen. Während die Alten, die Vollbiere aus den Vorkriegsjahren kannten, dem Friedensbier begeistert zusprachen, hatten sich die jüngeren Jahrgänge zwischen 20 und 35 Jahren vom Bier abgewandt, da sie es nie in der eigentlichen Vorkriegsqualität kennengelernt hatten. Spirituosen oder alkoholfreie Getränke bildeten hier Ersatz.

Eindeutige Aufgaben und Motivation

Der Geschäftsbericht des Deutschen Brauer-Bundes beschreibt die Motivation der deutschen Brauer für eine Gemeinschaftswerbung wie folgt:
   


"Das Präsidium des Deutschen Brauer-Bundes sieht eine der bedeutendsten Aufgaben des Bundes darin, durch großzügige belehrende Werbung das Bier auch bei denen volkstümlich zu machen, die es bisher eigentlich noch nicht kennen. Das deutsche Braugewerbe darf sich nicht darüber täuschen, dass auch in Europa Propaganda und Werbung zu unvermeidlichen, vielleicht ausschlaggebenden Faktoren des wirtschaftlichen Lebens geworden sind. Sie sind auf lange Sicht gesehen für das Schicksal des Braugewerbes wahrscheinlich wichtiger als das krampfhafte Bemühen, mit allen möglichen Mitteln, Schlichen und Aufwendungen dem Konkurrenten einen Kunden abzujagen."
  


Klingt, als ob der Geschäftsbericht von 1949 die heutige Brauwirtschaft auch schon ein bisschen kannte ;-) ...

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Die Bier-Gemeinschaftswerbung sollte also Bier als breites Volksgetränk positionieren, es Zielgruppen (vor allem den 'jungen Erwachsenen') zugänglich machen, die es aufgrund der schlechten Versorgungs- und Produktionslage während der Kriegsjahre nie kennengelernt hatten, und  belehrend zusätzliches Wissen über das Bier, seine Rohstoffe, Wirkungen und Vorzüge vermitteln. Außerdem hatte man bereits in dieser "frühen Stunde" den harten Wettbewerb unter den Getränken entdeckt: Der Geschäftsbericht aus dem Jahr 1949 / 50 verweist so ganz unverblümt auf die "großzügige Werbung" des Coca-Cola-Konzerns,  die offensichtlich Maßstäbe für die Gemeinschaftswerbung setzte...

Auch das klingt alles irgendwie ziemlich bekannt - und aktuell, oder?

 

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Die Bier-Gemeinschaftswerbung
Kontakt: webmaster@bierwerbe.de

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